Genau wie im Christentum ist die Einstellung zur Homosexualität je nach Richtung sehr unterschiedlich:
Das orthodoxe Judentum lehnt jede Form der ausgelebten Homosexualität auf Grundlage der Thora ab. Maßgeblich sind hier die Verse aus Levitikus 18 und 20, die den Geschlechtsverkehr unter Männern als to’eivah, etwas Abscheuliches, bezeichnen, das theoretisch mit der Todesstrafe geahndet werden kann. Jedoch wird von keinem einzigen Fall in der jüdischen Geschichte berichtet, in der dies tatsächlich durchgeführt wurde, da dazu sehr viele Bedingungen erfüllt werden müssen z.B. mehrere Zeugen, die Fortführung der Aktivität trotz voriger Ermahnung. Die Anwendung einer solchen Bestrafung ist seit der zweiten Tempel-zerstörung um 70 n.Chr. auch gar nicht mehr möglich, weil das sogenannte „Sanhedrion“, der Hohe Rat der Juden, nicht mehr existiert.
Im Talmud wird jede sexuelle Handlung außerhalb der Ehe als sündhaft betrachtet. Weibliche Homosexualität wird dabei weniger gravierend bewertet als die männliche, da sie die Familiengründung nicht gefährdet. Homosexuelle Handlungen werden insgesamt als einen Verstoß gegen das Gebot der Fruchtbarkeit betrachtet. Da im orthodoxen Judentum eine allgemeine Heiratspflicht besteht, wird die heterosexuelle Ehe auch von homosexuell veranlagten Menschen erwartet.
Dachorganisationen orthodoxer Juden lehnen die Partnerschaft und Ehe homosexueller Menschen ab, rufen jedoch zu Mitgefühl und Verständnis im Umgang mit Menschen auf, die homosexuelle Neigungen haben – insbesondere diejenigen, die sich für ein Leben nach orthodoxen Normen entschieden haben, jedoch damit kämpfen.
Andere Störungen des Judentums (Reformjudentum, Liberales Judentum, rekonstruktionistisches Judentum) haben ein anderes Verständnis gegenüber religiöser Pflichten. Dementsprechend wird in diesen Kreisen Homosexualität in der Regel akzeptiert, teilweise ist eine Segnung gleich-geschlechtlicher Paare möglich. Die liberale Gemeinschaft Yachad (hebr. gemeinsam) vereint schwule, lesbische und bisexuelle Juden in Deutsch-land. In Israel gibt es eine entsprechende Vereinigung, den Verband zum Schutze der Rechte des Einzelnen (AGUDAH).
Das konservative Judentum vertritt entsprechend seiner Vorstellungen von Pluralismus mehrere Meinungen, die von den orthodoxen bis zu wesentlich liberaleren Prinzipien variieren.
Schreibe einen Kommentar